3. Akt

Verzweifelt blickt Mohr auf den verwaisten Knaben. Er denkt nach und überlegt, wie er die Menschen in diesem Ort versöhnen kann. Wie soll er hier eine feierliche Christmette gestalten, nachdem auch noch die Orgel kaputt ist? Mohr ist unruhig. Er geht auf und ab, denkt über das Evangelium nach und hofft auf eine göttliche Eingebung. Ihm wird bewusst, dass es Leid und Not schon immer gab – auch damals in der hochheiligen Nacht. Sein Blick geht zu dem schlafenden Knaben. Seine Gedanken gelten dem Vers: Ein holder Knabe mit lockigem Haar, ja schlaf in himmlischer Ruh. In seinem Kopf fügen sich die passenden Worte für die Christmette zusammen. Er schreibt bis ihm vor Müdigkeit der Stift aus der Hand fällt und er am Tisch einschläft. Morgengrauen dringt durch das Fenster. Als Vitus die Augen öffnet und den schlafenden Mohr sieht, huscht ein glückliches Lächeln über seinen kindlichen Mund. Der Knabe spürt, dass ihn mit Mohr etwas Besonderes verbindet. Er steht auf, geht leise zu Mohr und schickt ein Dankeslied in den Himmel zu seinen Eltern.

„Du bist mein Retter in dieser Nacht“

Mohr erwacht und hört im Unterbewusstsein die letzten Worte des Knaben: Heute in dieser hochheiligen Nacht, du bist mein Retter in dieser Nacht. Mohr kann es nicht glauben, das sind die fehlenden Worte zu seinem Text der vergangenen Nacht. Er denkt an den Entwurf seines Gedichts, mit dem er bereits vor zwei Jahren begonnen hatte. Er schreibt und schreibt. „Das ist es!“ jubelt es in ihm. Als Gruber morgens das Wirtshaus betritt, ist er verwundert, dass Mohr und Vitus immer noch in der Wirtsstube sind.

Mohr glücklich zu Gruber: „Wir haben ein neues Weihnachtslied. Nun brauchen wir nur noch die passende Melodie dazu!“ Mohr erzählt Gruber von seinem besonderen Text. Gruber lehnt ab, da er nicht glaubt, dass es einen Text geben kann, der die Menschen freundliche und versöhnlich stimmt. Als er schließlich das glückliche Lächeln in Vitus‘ Gesicht sieht und den Text liest, wird ihm bewusst, er muss sich Mohrs Bitte fügen und in der Kürze der Zeit eine passende Melodie schreiben. Mohr schickt Vitus los um allen Bürgern zu sagen, dass sie heute Nacht an die Kirche kommen sollen. Er soll sie richtig neugierig machen! Vitus kehrt mit den neugierigen Bürgern und den Salzachschiffern in der heiligen Nacht an die Kirche zurück. Noch einmal kommt es zu einer Konfrontation mit Nässler. Elisabeth drängt Nässler zurück und die Liebe besiegt in dieser besonderen Nacht die Macht, den Hass und die Gier. Die mächtige Botschaft vom himmlischen Frieden, das Wunder von „Stille Nacht“ eroberte alle Herzen und wurde in den folgenden Jahren in die ganze Welt hinaus getragen.