Prolog

1806 verliebte sich Pfarrer Nässler in die Bürgersfrau Viktoria Braun. Die Liebe war stark, so stark, dass sich Nässler bereits damals vom Zölibat trennen wollte. Viktoria hielt den Priester davon ab, da sie ihren Ehemann nicht verlassen konnte. Nässler lebte in der Hoffnung, dass ihre Liebe so innig sein würde, dass alles gut werden könnte. Als der Priester die kleine Wölbung unter Viktorias Kleid entdeckte, dachte er, das Kind sei von ihm. Viktoria ließ ihn aber in dem Glauben, dass das Ungeborene nicht aus ihrer Liebe hervorgeht. Nässler gab die Liebe und Hoffnung zu Viktoria nicht auf.

Mit großer Anspannung wartete er auf die Niederkunft der Mutter. Nie wird er diesen schwarzen Tag in seinem Leben vergessen, denn Viktoria starb bei der Geburt des Knaben.

Ab diesem Tag schlugen seine Gefühle in Hass, Gier und Machtbesessenheit um.

Der kleine Vitus wuchs bei seinem Vater als Halbweise auf. Sein Vater, der Salzachschiffer Mattes Braun, ließ nichts unversucht, seinem geliebten Sohn die Mutter zu ersetzen, bis zu jenem Tag, dem 22. Dezember 1816 als auch der Vater bei einem Schifftransport ums Leben kam.

Der Knabe wurde Vollwaise und alles was ihm blieb, war der Hass des bösartigen und verbitterten Pfarrers. Er hatte alles verloren, seine Eltern, sein Zuhause und die Liebe, die jedes Kind für den Start ins Leben braucht.

Vitus kämpfte sich von nun an mit Almosen durch und übernachtete in Schuppen und Ställen.

Einzig im Schullehrer Gruber und der Wirtin Elisabeth fand der Knabe etwas Zuneigung. Sie kümmerten sich um den Jungen, soweit es Zeit und Lebensmittelvorräte zuließen.